Bates Hostel?

Nach The Alice landeten wir gleich in einer wahren Perle des Outbacks: Barrow Creek. Die Dämmerung brach heran und auf der Suche nach Unterkunft hielten wir hier.

Vor uns erhob sich eine heruntergekommene Tankstelle aus dem Outback. Die einzigen Geräusche waren das feindselige Bellen eines Hundes aus der Ferne und das rostige Knarren einer Windmühle. Der tätowierte, bärtige Glatzkopf an der Theke schickte uns hinter das Haus, wo wir unsere Zelte im Innenhof eines weiteren Gebäudes aufstellen konnten. Anscheinend hatte der Wirt – oder wer auch immer in dieser Ödnis auf solche Einfälle kam – eine Art Gästehaus errichtet. Aber seit der Fertigstellung vor acht Jahren wurde es nicht eingerichtet und verwandelte sich langsam in eine Ruine. Vor dem Zeltaufbau wollten wir noch einen Blick auf die zahlreichen Autowracks hinter unserem neuen Domizil werfen. Mit etwas Glück war vielleicht ein Ford Falcon mit intaktem Fenster darunter, den wir ausschlachten konnten (siehe unten). Der Wirt hatte sein OK gegeben und wir gingen auf Wracksuche.

Direkt das erste Auto war ein Ford Falcon mit total zerschmetterter Front, der auf einem Anhänger vor sich hinrostete. Wir fragten uns, was aus den Besitzern geworden war. Helge wähnte sie angesichts der Schäden am Auto nicht mehr unter den Lebenden. Und da wir beim Öffnen der Hintertür auf seit Jahren angegammelte Landkarten und Taschen stießen, hatte Helge wohl recht. Das mulmige Gefühl, das sich jetzt einstellte, ignorierten wir vorerst. Während meine Travelmates versuchten, die Scheibe aus der Tür zu stemmen, blickte ich mich ein wenig um. Nicht weit weg vom Wrack hatte jemand ein Kreuz auf einem kleinen Erdhügel aufgestellt. Wir interpretierten das recht schnell und einhellig als Zeichen von Tierliebe („Da hat sicher bloss jemand seinen Hund begraben“) und ich ließ die beiden alleine um schon einmal mein Zelt aufzubauen.

Später habe ich einem Australier davon erzählt. In diesem Moment, meinte er, wäre er an meiner Stelle abgehauen. Er hatte Wolf Creek gesehen, und erwähnte, dass nicht weit von Barrow Creek 2001 zu einem Vorfall kam, der diesen Film mitinspirierte. Ich weiß schon, warum ich den nicht gesehen habe.

Zwei Stunden später hatten wir in undurchdringlicher Dunkelheit und auf ebenso undurchdringlichem Boden unsere Zelte errichtet, und beschlossen auf ein Bier in der Bar einzukehren (so schlimm konnte es doch nicht sein). Mit dem, was jetzt kam, hatte keiner von uns gerechnet.

Der Wirt, seine Frau und ein Trucker saßen auf der Veranda und sahen sich auf einem tragbaren DVD-Player Die Hard 4 an. Mit „Grab a seat and sit down.“ waren wir eingeladen. So nahmen wir mitten in der Ödnis an einen Filmeabend mit Outbackbewohnern und Truckern teil, von denen sich zum Glück keiner als Axtmörder herausstellten. Nach Die Hard kramte der Wirt in seiner DVD-Sammlung, so dass wir auch noch in den Genuss von Hitman kamen. Nur Wolf Creek hatte er nicht da.

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Eingeordnet unter Reise, Seltsamer Alltag

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