The Umbrella Academy – Apocalypse Suite

Heute mal eine Comic-Rezension. Das musste jetzt mal raus.

Jeder Rezensent, jeder Kritiker beginnt eine Rezension von Umbrella Academy mit der Beschreibung des Berufes des Autors, Gerard Way. Aber das weiß mittlerweile jeder, der sich mit dem Comic beschäftigt; der Mann ist Rockmusiker. So.

Die Umbrella Academy ist eine jener typischen, halb dekonstruierten Superheldengeschichten, die seit Watchmen oder League Of Extraordinary Gentlemen schon fast Mainstream sind. Es geht um sieben Superhelden, die als Babys von Sir Reginald Hargreeves, – außerirdischer Philanthrop, Supergenie und Monokelträger – adoptiert werden, um dereinst die Welt zu retten. Doch welche Welt eigentlich?

Die Parallelwelt von Umbrella Academy bietet intelligente Schimpansen mit Bürgerrechten, Weird Science im Stil der Fünfziger Jahre, Untote (Stradivari der Vampir wird eigentlich nur von Zombie-Roboter Eiffel getoppt) und Gorillas vom Mars (uraltes Gesetz in der Superheldenbranche: Everything is better with monkeys). Eine Welt, die es sich definitiv zu retten lohnt!

Leider sind die Adoptivtöchter und -söhne von Hargreeves eine furchtbar dysfunktionale Familie, das Weltretten könnte also schwerer werden als gedacht. Auch der Tod des gefühlskalten Hargreeves

„Dad!“ „Must I remind you to refer to me as The Monocle? Really…“

kann die erwachsenen fünf Superhelden – einer ist in der Zukunft verschollen und ein anderer tot  – nicht wiedervereinen. Während Hargreeves Beerdigung kulminiert das Chaos. Die Killerroboter eines alten Feindes laufen auf dem Jahrmarkt Amok und der „nutzlosen“ Nummer Sieben wird ein Job im Orchester der Verdammten angeboten: Die erste Geige bei der Uraufführung der Apocalypse Suite zu spielen…

Die Handlung wird in Rückblenden unter anderem durch einen zeitreisenden zehnjährigen Greis, einen Weltraum-Tintenfisch von Rigel IX, einen amoklaufenden Eiffelturm und zahlreiche Schimpansen (Everything is better with monkeys!) aufgelockert.

Kurz und gut, eine Tour de force durch ein Weird Fiction-Universum, dass in seinen besten Momenten an eine kontemporäre Version der League Of Extraordinary Gentlemen erinnert. Zum Schluss möchte ich noch die Zeichnungen von Gabriel Bá preisen, der The Umbrella Academy den perfekten optischen Stil verpasst. Für dieses erste Abenteuer von Spaceboy, The Kraken, The Rumour, The Séance, The Boy, The Horror und ihrer Schwester Vanya verleihe ich 9 von 10 zerrissenen Capes. Leider fehlen bei meiner Sammelausgabe (englisch, Softcover, 15 € für ein leicht lädiertes Exemplar aus dem Kult in der Luisenstraße, ISBN 9781593079789) die Seiten der Encyclopedia Umbrellica, die alternativen Cover und die Editorialseiten, auf denen die Hargreeves-Kinder immer wieder neu vorgestellt werden. Dafür sind Konzeptstudien und die beiden Kurzgeschichten „Mon Dieu“ und „..But The Past Ain’t Through With You!“ enthalten. Trotzdem hätte ich gerne die Seiten der Ecyclopedia Umbrellica und den anderen Schnickschnack gehabt. Ein Cape Abzug.

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