Kings & Things

Strategiespiele im Fantasy-Genre sind beileibe nichts neues. Ganze Heere aus Fabelwesen wie Elfen oder Trolle führen Krieg am Computerbildschirm oder auf dem Küchentisch. Im Brettspielsektor ist Kings & Things von 1986 einer der Urväter dieser Games. Jetzt hat der Pegasus-Verlag eine Neuauflage des Klassikers veröffentlicht.

Worum geht’s hier eigentlich?

Das Land Kadab ist im Aufruhr. Unfähige Magier haben die Landschaft aus Eiswüsten, Dschungeln, Wäldern und Ebenen durcheinandergewürfelt. Jetzt muss ein König her. Nur ein Monarch oder eine Monarchin kann das geplagte Land vereinigen. Indem er oder sie eine Zitadelle als Zeichen der Macht errichtet. Aber die Kosten für so ein Bauwerk sind immens. Nur wer schon ein paar Landfelder erobert und diese am besten auch mit Dörfer und Festungen versehen hat, kann sich so etwas leisten. Am besten ist es, wenn auch Gewinn abwerfende Dinge wie ein Elefantenfriedhof oder eine Silbermine zu den Ländereien gehören. Das Startherzogtum (bestehend aus drei Feldern) muss also erweitert werden. Das geht natürlich nur mit kriegerischen Maßnahmen. Ein Heer muss her. Anheuern kann jeder Spieler Fabelwesen wie Goblins, Elfen und Drachen, aber auch Mammuts und Mörderpinguine treiben sich auf dem Spielbrett herum.

Auspacken!

Catan? Nein, Kadab!

Catan? Nein, Kadab!


Beim Öffnen der Verpackung kommt so einiges ans Licht: Bunte Sechseckfelder mit auf- gedruckten Landschaften, Plastikburgen, Holzcounter, Goldmünzen aus Karton. Und Pappvierecke, die zahlreiche Dinge darstellen – die namensgebenden Things. Aus den sechs- eckigen Feldern wird das Spielfeld errichtet. Das Ergebnis hat ein wenig Ähnlichkeit mit einem anderen Spieleklassiker. Kings & Things ist aber deutlich älter als die Siedler von Catan“. Jeder der bis zu vier Spieler darf sich nun ein Startfeld aussuchen und zwei angrenzende Felder für sich beanspruchen. Das ist der Beginn des Eroberungsfeldzuges.

Neun Phasen müsst ihr sein

Zunächst sammelt jeder Stratege Steuern ein. Je größer die Ländereien, desto mehr Gold fließt in das eigene Säckel. Dann können Helden und Dinge angeheuert werden. Dinge sind Monster, Kreaturen und Ereignisse, die aus dem sogenannten Dingbeutel gezogen werden. Helden sind Ritter, Zauberer und die sogenannten Geländelords (später dazu mehr), die neben dem Spielfeld liegen und mit Glück und Gold angeheuert werden. Jeder Spieler stapelt Dinge (verdeckt) und Helden auf seinen Feldern. Das sind die sogenannte Heerhaufen. Damit können freie Felder erkundet und von anderen Spielern besetzte Felder erobert werden. Im Dingbeutel befinden sich auch Einkommensquellen wie Dörfer und Minen. Die kann der Spieler ebenfalls platzieren, wobei Einkommensmarker natürlich nicht mobil sind. Denn die nächste Phase ist die Bewegungsphase. Oh nein, beinahe vergessen: In Phase 4 dürfen Ereignisse ausgespielt werden. Wer schon immer seinen Mitspielern die Pest an den Hals gewünscht hat, kann dieses Ereignis jetzt ausspielen. Jetzt kommt endlich die Bewegungsphase: Die Heerhaufen können sich bis zu vier Felder weit bewegen. Schwieriges Gelände braucht zwei Bewegungspunkte, Meere zählen als Hindernisse. Fliegende Dinger werden davon natürlich nicht betroffen. Erreicht ein Heerhaufen ein feindliches Feld oder ein bisher unerkundetes, wird die Eroberung in der folgenden Phase (6, falls niemand mitgezählt hat) fortgesetzt.

Der Krieg der Dinge

Der Vater aller Dinge

Alle Dinge und Helden besitzen Kampfwerte, die von eins bis sechs gehen. In einer Schlacht muss für jeden Kämpfer der Kampfwert unterwürfelt werden. Jeder Treffer lässt eine gegnerische Figur in den Dingbeutel wandern. Magier dürfen als erste kämpfen und schalten vielleicht schon die ersten Fernkämpfer oder Nahkämpfer aus. Dann kommt die Fernkampfphase, in der die Schützen dran sind und schließlich die Nahkampfphase für das Fußvolk. Nach einer ersten Kampfabwicklung kann sich jede Seite zurückziehen. Dann oder wenn ein Heerhaufen vernichtet ist, gehört das Feld der zurückbleibenden Streitmacht. Aber Obacht! Jedes Wesen muss versorgt werden. Hat ein Spieler etwa Kamelreiter und Wüstenspinnen in seinem Heerhaufen, braucht er auch eine Sandwüste. Oder – und hier kommen die Geländelords ins Spiel – einen Sandwüstenlord. Ansonsten sind seine sandigen Kämpfer Trugwesen. Die gehen sofort zurück in den Beutel, wenn ein Gegenspieler das bemerkt. Damit kommt auch ein Bluff-Element dazu. Sind alle Kämpfe abgewickelt, dürfen noch Festungen errichtet werden. Türme werden gebaut oder zu Kastellen aufgewertet. Aus denen werden Burgen und irgendwann Zitadellen. Wer so ein Bauwerk errichten und eine Runde lang halten kann, gewinnt das Spiel. Zum Schluss können Helden noch ihre Spezialfähigkeiten einsetzen und in Phase Neun wird der Startspieler gewechselt.

Evolution einer Festung: Turm – Kastell – Burg – Zitadelle

Fazit

Kings & Things ist eine bunte Fantasy-Konfliktsimulation, die sich selbst nicht so ernst nimmt. Die farbenfrohe und manchmal alberne Gestaltung täuscht aber nicht darüber hinweg, wie aufgeblasen die Spielregeln sind. Alte Zocker-Hasen merken, dass Kings & Things schon rund 25 Jahre auf dem Buckel hat. Allein die neun Phasen, die fast alle eigene Regeln haben, machen das Spiel zäh. Gerade bei Neulingen ist eine gewisse Einspielzeit nötig. Sind aber erst einmal alle Mitstreiter mit den Regeln vertraut, läuft das Spielgeschehen einigermaßen flüssig. Strategie und Glück sind gleich wichtig, um zu gewinnen. Zufalls-Elemente wie der Griff in den Dingbeutel und Würfelglück sind entscheidend. Für Freunde von Fantasy-Kriegen ist Kings & Things durchaus empfehlenswert, für alle anderen sicher eine interessante Abwechslung – wenn sie sich auf ein 24 Seiten starkes Regelheft einlassen wollen. Meiner Ansicht nach lohnen sich die 30 Euro für Kings & Things. 8 von 10 möglichen Zauberkronen.

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2 Kommentare

Eingeordnet unter Spiele, Spielrezension

2 Antworten zu “Kings & Things

  1. Tolles Rezension … im Zeitalter von Computer und PlayStation ist es wirklich ersteunlich das auch brett Spiele gespielt werden .
    Und wie man sieht es kann genau so viel spass machen wie eine Komputer Spiel . Wer weis vieleicht ist das ein Lösung für die lange Dunkle winterstunden

  2. fabioso

    Ein paar mehr Spielekritiken (unter anderem von mir) gibt es auf Fischpott: http://fischpott.com/tag/brettspiel/

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