Pöppelview: Hardboiled Anger Management

Gefährliches Pflaster

Was denken Pöppel? Was fühlen Pöppel? Ein Hineinfinden in das Seelenleben der kleinen Spielfiguren aus Holz oder Plastik ist nicht einfach. Dennoch versucht es der heutige Blogeintrag. Wer den Brettspielklassiker meint erkannt zu haben kann die eigene Vermutung über die Kommentarfunktion kundtun.

Giallo steckte sich noch eine an. Er stand an der Ecke im Regen und fror sich die Eier ab. Mit einem Ruck schlug er den Kragen seines gelben Trenchcoats hoch. Im trüben Schein der Straßenlaterne entstieg seinen Lungen eine Mischung aus Rauch und kondensierendem Atem, die in der Dunkelheit zerfaserte.

Kaum zu fassen: Endlich raus aus dem Bau. Wie lange hatte er gesessen? Es war fast egal, er konnte die verlorene Zeit eh nicht aufholen. Jetzt wollte er nur noch nach Hause. Ob die drei anderen … Da! Schritte hinter ihm in der Dunkelheit. Sicher einer von Verdes Leuten. Zügig bog er um die Ecke. Die Schritte wurden schneller. Giallo auch. Die Schritte wurden immer leiser. Langsam beruhigte er sich wieder. Doch nur falscher Alarm.

An der nächsten Ecke zündete er sich wieder eine an. Giallos Blick wanderte über die Häuserfassaden … und ihm schauderte. Das war das Hauptquartier von Rossos Bande! Wenn jetzt einer rauskam, wäre es aus mit ihm gewesen. Mit einem unterdrückten Fluch warf er die Kippe in den Gully. Nichts wie weg.

Er kam nicht weit, als er wieder Schritte hinter sich hörte. Ein unauffälliger Schulterblick. Keiner von Rossos Männern. Das war einer von Verdes Jungs. Hatte er ihn doch nicht abgeschüttelt. Sein Nahme war Ahdar oder so. Kein Italiener, sondern von einer kleinen Insel irgendwo im Mittelmeer. Malta vielleicht? Egal. Ahdar war einer von Verdes Superschnüfflern, Abhängen kam nicht in Frage.

Giallo beschleunigte, bog um die Ecke und verschwand in einer Seitengasse. Hinter ein paar Mülltonnen hockte er sich hin und widerstand der Versuchung, eine Zigarette anzuzünden. Ahdar kam an der Gasse vorbei. Er rannte fast, weil er Giallo aus den Augen verloren hatte. Der Mann hinter der Mülltonne hätte beinahe gelacht. Sein Schatten verlor die Nerven so schnell wie ein grüner Junge. Leise wie ein Luchs verließ er die Gasse und schlich hinter dem vermutlichen Malteser her.

Ahdar stand an der nächsten Ecke und schaute abwechselnd nach Links und Rechts. Wie gut, dass der Bursche keine Augen im Hinterkopf hat, dachte sich Giallo. Mit einem gezielten Faustschlag in den Nacken hieb er ihn um und ließ ihn an der Ecke liegen. Wenn die Bullen ihn hier finden, dann schleppen sie ihn auf die Wache. Um Giallo dann noch zu folgen, hätte er durch die ganze Stadt laufen müsssen. Das Problem war gelöst.

Jetzt stand er auf dem Bürgersteig gegenüber von seinem Haus und schaute nach oben. Seine Wohnung lag im dritten Stock. Etwas stimmte nicht. Er wartete. Rauchte noch eine. War da Bewegung hinter den Vorhängen? Zu spät sah er etwas Schwarzes im Augenwinkel. Mit pochendem Schädel wachter er in seiner Zelle auf. Giallo atmete tief durch. Kein Grund, sich zu ärgern. Irgendwann kam er wieder raus.

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