Anstelle einer SMS

Liebe Werbeindustrie,

vielen Dank dafür, dass Du mir neuerdings auch SMS schickst. Ich wollte schon immer Deine aufregenden Neuigkeiten direkt über mein Telefon erfahren. Ja, ich brauche noch dringend originelle Geschenkideen zum Valentinstag. Ja, ich möchte ganz dringend auf Eure Website, mich dort anmelden und Premiere-Tickets für Till Schweigers neuen Film gewinnen. Ja, ich spende Dir gerne meine Ohrmuscheln, damit Du daran Klingeltöne testen kannst. Oh, Entschuldigung liebe Werbeindustrie, aber das konntest Du nicht verstehen. Das war Ironie.

Per SMS Werbung machen: Wie billig ist das denn? Seelenloser als Spam-Mails. Die reinste Massenabfertigung. Wie im Hühnerschlachthaus: Eingespannt, Zack, Kopf ab – oder auch nicht, wenn die Hühnerentkopfungsmaschine mal wieder einen Kurzschluss hatte – und der nächste bitte. Ein Knopfdruck und die Botschaft geht raus an Millionen. Und Du nennst Dich „kreativ“, liebe Werbeindustrie? Vielleicht kennst Du ja doch Ironie.

Aber nein, neuerdings machst Du ja persönlich zugeschnittene Werbung. Um individuelle Sachen für jeden zu finden. Der Höhepunkt analytischer Maschinenintelligenz. Elektronengehirne filtern tausende Daten um potentielle Kunden zu durchleuchten und die perfekte Anzeige zu finden. „Du bist Single und im Studibook? Dann probier doch unsere Dating-Webseite für die Elite von morgen: Akademi-Dating!“ Beeindruckend, was Du einfach so rausfinden kannst.

Liebe Werbeindustrie, wenn Du den Kunden umwerben willst, dann streng Dich doch bitte mal an. Ja, hältst Du mich denn für so billig? Ich lese eine SMS oder eine Mail oder eine Anzeige und bin überzeugt. Dass ich Dein Produkt brauche, ganz ganz dringend haben will, ohne nicht mehr leben möchte? So einfach kommst Du nicht davon. Liebe Werbeindustrie, Du musst mich schon wirklich wollen. Kümmer Dich um mich, aber so richtig. Es muss knistern zwischen uns.

Ich will meinen Namen mit leuchtenden Lettern an den Himmel geschrieben sehen. Ich will leichtbekleidete Go-go-girls, die Deine Botschaft tanzen und mir rund um die Uhr folgen. Berittenen Boten sollen mir handgeschriebene Briefe bringen. Darin will ich in Alexandrinern verfasste Verse lesen, mit Gold und Lapislazuli auf fein geschöpftem Büttenpapier von geschickter Hand kalligraphiert. Parfümierte Briefe, die in der Schönheit meines Körpers schwelgen und mein Genie preisen. Ich will, dass Du mir Tausend-Euro-Noten in die Shorts steckst, nachdem Du mich betrunken gemacht hast.

Dann, und erst dann, lese ich, was Du mir für einen Scheiß verkaufen willst. Und vielleicht überleg ichs mir dann noch mal.

Dein Fabian

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Eingeordnet unter Seltsamer Alltag

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