Social Media – Eine kurze Erklärung

Ich muss oft erklären, was Social Media jetzt genau ist. Oder warum Medienanbieter es nutzen sollten. Oder dass es mehr ist als eine Facebookseite, betreut vom Schülerpraktikanten. Aus diesem Grund habe ich einen kleinen Text geschrieben, der genau das verdeutlichen soll. Fragen und Anmerkungen sind gern gesehen.

Social Media – Was ist das?

Soziale Medien, Web 2.0, Mitmachweb – niedliche kleine Worte für nichts geringeres als das Ende einer Ära. Medien – Filme, Bücher, Websites und viele mehr – haben bis vor kurzem in der modernen Gesellschaft nach dem Prinzip Einbahnstraße funktioniert (frei nach dem Shannon–Weaver-Modell): Eine Person oder mehrere, genannt Sender, schreibt, verfilmt oder produziert eine Geschichte, eine Botschaft, eine Nachricht. Der Empfänger konsumiert das Ergebnis. Ohne Rückmeldung, ohne Antwort. Und im Idealfall ist der Empfänger nicht allein. Möglichst viele sollen das Buch kaufen, das Werbeplakat sehen oder das Radio einschalten. Mit diesem stillen Konsum ist der Prozess mehr oder weniger abgeschlossen. Unter Umständen kann ein Empfänger versuchen, eine eigene Antwort per Leserbrief, über Notizen am Seitenrand oder mit einem Live-Anruf in der Radiosendung zu verbreiten. Der Sender kann solche Einwürfe ignorieren oder bemerkt sie erst gar nicht. Der Leserbrief wird nicht in der Zeitung veröffentlicht, eine Anruferin nicht durchgestellt. Das war bisher so.

Netzwerk statt Einbahnstraße

Aus dem Usenet der frühen Achtziger Jahre haben sich die Sozialen Medien entwickelt. Der Kommunikationskanal Sender-Empfänger bekommt eine Gegenfahrbahn. Jede Äußerung, jeder Facebook-Post, jeder Tweet kann kommentiert, beantwortet und remixt werden. Der Sender erhält spontanes Feedback und kann sofort reagieren. Aus der Einbahnstraße wird ein regelrechtes Straßennetz, denn schließlich ist jetzt jede Person Empfänger und potentieller Sender. Das ist die Macht von Social Media, aber für viele Menschen auch eine beängstigende Vorstellung. Das Gespenst „Shitstorm“ geht um, jede unbedachte Äußerung könnte schließlich zu einem Sturm der Entrüstung führen. Die Chance auf neue Meinungen zu treffen und in einen Dialog zu treten, lebt dagegen eher im Schatten dieser Furcht. Aber genau deswegen kommen viele Menschen zu den sozialen Netzwerken: Wegen der Kommunikation. Die alte Hierarchie von Meinungsmacher und Publikum ist aufgelöst.

Mehr als Onkel Facebook

Die Vielfalt der Sozialen Medien ist überraschend. Die meisten Leute denken nur an Facebook und vielleicht noch an dieses Twitter, bei dem sich Promis oft blamieren und das in so vielen Talk-Shows als Meinungsbarometer genutzt wird. Dabei ist im Grunde jede Website mit einer Kommentarfunktion Social Media. Die Bandbreite reicht vom Hobby-Forum über die Amazon-Produktseite bis zum online gestellten Artikel der Lokalzeitung. Auch Wikis, Videoplattformen und virtuelle Welten wie World Of Warcraft oder Second Life sind kommunikativ und geben dem Nutzer die Möglichkeit, etwas zu sagen.

Social Media ist Dialog und damit wohl so alt wie die Menschheit. Nur das Mittel, die elektronische Vernetzung, ist neu. Das heißt aber auch, dass wir alle Social Media im Grunde „können“ und die Kontrolle über solche Kommunikationswege niemals abgeben sollten.

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