Archiv der Kategorie: Reise

Kürbisfarm&Ameisenalarm

Das Farmwerk ist getan, ich bin wieder unterwegs. Mein alte Reisekollege Helge hatte eine Biofarm im Nirgendwo ausgemacht, die noch Farmhands brauchte. Tatsächlich wartete dort jede Menge Arbeit auf uns. Nach dem Ernten diverser Obst- und Gemüsesorten (als da wären: sauschwere Melonen, Kürbisse inmitten nesselbewehrter Ranken und Zitronen in Bäumen voller grüner, bissiger Ameisen), dem Packen großer, kleiner und mittelgroßer Kürbisse in unzählige Schachteln, dem Düngen von Bäumen und dem Jäten von Unkraut bin ich recht froh, zuerst einmal mit Farmarbeit abgeschlossen zu haben.

Ein Waran im Litchfield Park. Putzig.

Ein Waran im Litchfield Park. Putzig.

DIe Arbeitskollegen und die Chefs waren größtenteils in Ordnung, und wenn nicht, dann hatten sie wenigstens Unterhaltungspotential. So hatte ich das Vergnügen, Mandy&Sandy, die dümmsten Sächsinnen der Welt zu treffen. Herrliche Gespräche entstanden in den Pausen. Sandy: „Ihr wart nicht beim Bund? Wolltet ihr euch nicht abhärten?“ oder Helge zu Sandy: „Wann waren denn bei euch die letzten Landtagswahlen?“ Antwort Sandy: „Weiß ich doch nicht. Bin ich Politologiestudentin?“ oder der folgende Dialog: „Wir Ossis sind nicht so prüde wie ihr Wessis!“ „Wieso, was macht ihr denn für Schweinereien?“ Sandy errötet: „ Ähm, auch mal aus der selben Tasse trinken…“ Während all dieser Gespräche saß Mandy stumm daneben und las ein Buch. Immerhin. Dafür konnte sie aber kein Englisch („The peanut butter is all!“ sagte sie, und meinte tatsächlich, damit ausgedrückt zu haben, das Erdnussbutterglas wäre leer).

Außerdem war da noch John, der cholerischste Farmer von ganz Australien. Unvergessen werden uns seine kurzen, knackigen Ansprachen auf dem Feld sein („Don’t walk on the fucking plants!“ „Fucking listen for one minute!“ „Don’t fucking stand!“). Besonders Helges Disput mit ihm über richtiges Kürbiswerfen – nach dem Helge dann auch den Hof verlassen hat – war ein spezielles Erlebnis. Aber es war nicht alles schlecht, und es gab auch nette Leute dort.

Wenige Tage später traf ich im Marktflecken Katherine Helge wieder, und wir begannen unsere Reise in den Westen. In Western Australia angekommen haben wir in einem kleinen Nest namens Wyndham gecampt. Allerdings müssen wir dort wohl auf einem alten Aborigine-Friedhof geparkt haben, anders kann ich mir den Fluch nicht erklären: Mitten in der Nacht wurde ich von schmerzhaftem Jucken geweckt. Tausende Ameisen hatten den Weg in mein Zelt gefunden. Ich ging duschen, um mich der fiesen Sechsbeiner auf meiner Haut zu entledigen. Nach meiner Rückkehr hatten die Ameisen zu meiner Enttäuschung nicht spontan das Zelt verlassen. Verdammt. Ich schlief also unter dem berückenden australischen Sternenhimmel, wo Moskitos etwa drei Liter meines Blutes verzehrten. Am nächsten Morgen stellten wir fest, dass die Ameisen nicht nur mein Zelt okkupiert, sondern auch die Kiste mit den Vorräten entdeckt hatten. Dass an dem selben Tag Helges Ford Falcon den Geist aufgab, und sich seitdem nur noch starten lässt, wenn man mit einem Schraubenzieher im Motorraum rumfriemelt und die richtigen Drähte kurzschließt, muss ich wahrscheinlich nicht erwähnen.

Nichts wie raus aus Wyndham!

Nichts wie raus aus Wyndham!

Aber trotz des verfluchten Autos und der Ameiseninvasion haben wir es jetzt nach Broome geschafft. Hier ist die erste Küste, an der ich in Australien schwimmen konnte (warm genug und keine tödlichen Würfelquallen) und einem großartigem Sandstrand. Wir werden hier noch ein paar Tage auf ein oder zwei Mitfahrer warten, und dann nach Perth aufbrechen.

On the road again

On the road again

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Und was für’s Auge

Bilder von Barrow Creek habe ich leider nicht gemacht, aber da war es auch nicht schön. Stattdessen ein paar Impressionen von Simpsons Gap, östlich von Alice Springs.

Typischer Dryver

Typischer Dryver

Auf diesem Bild hat sich ein Rock-Wallaby versteckt. Rock Wallabys sind sehr selten, nur Jazz Wallabys sind noch seltener. Pop Wallabys vermehren sich dagegen wie Karnickel.

Auf diesem Bild hat sich ein Rock-Wallaby versteckt.

Rock-Wallabys sind übrigens sehr selten. Nur Jazz- und Blues-Wallabys sind noch seltener. Pop-Wallabys vermehren sich dagegen wie Karnickel.

No swimming?

No swimming?

Ich konnte mich grade noch zurückhalten.

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Bates Hostel?

Nach The Alice landeten wir gleich in einer wahren Perle des Outbacks: Barrow Creek. Die Dämmerung brach heran und auf der Suche nach Unterkunft hielten wir hier.

Vor uns erhob sich eine heruntergekommene Tankstelle aus dem Outback. Die einzigen Geräusche waren das feindselige Bellen eines Hundes aus der Ferne und das rostige Knarren einer Windmühle. Der tätowierte, bärtige Glatzkopf an der Theke schickte uns hinter das Haus, wo wir unsere Zelte im Innenhof eines weiteren Gebäudes aufstellen konnten. Anscheinend hatte der Wirt – oder wer auch immer in dieser Ödnis auf solche Einfälle kam – eine Art Gästehaus errichtet. Aber seit der Fertigstellung vor acht Jahren wurde es nicht eingerichtet und verwandelte sich langsam in eine Ruine. Vor dem Zeltaufbau wollten wir noch einen Blick auf die zahlreichen Autowracks hinter unserem neuen Domizil werfen. Mit etwas Glück war vielleicht ein Ford Falcon mit intaktem Fenster darunter, den wir ausschlachten konnten (siehe unten). Der Wirt hatte sein OK gegeben und wir gingen auf Wracksuche.

Direkt das erste Auto war ein Ford Falcon mit total zerschmetterter Front, der auf einem Anhänger vor sich hinrostete. Wir fragten uns, was aus den Besitzern geworden war. Helge wähnte sie angesichts der Schäden am Auto nicht mehr unter den Lebenden. Und da wir beim Öffnen der Hintertür auf seit Jahren angegammelte Landkarten und Taschen stießen, hatte Helge wohl recht. Das mulmige Gefühl, das sich jetzt einstellte, ignorierten wir vorerst. Während meine Travelmates versuchten, die Scheibe aus der Tür zu stemmen, blickte ich mich ein wenig um. Nicht weit weg vom Wrack hatte jemand ein Kreuz auf einem kleinen Erdhügel aufgestellt. Wir interpretierten das recht schnell und einhellig als Zeichen von Tierliebe („Da hat sicher bloss jemand seinen Hund begraben“) und ich ließ die beiden alleine um schon einmal mein Zelt aufzubauen.

Später habe ich einem Australier davon erzählt. In diesem Moment, meinte er, wäre er an meiner Stelle abgehauen. Er hatte Wolf Creek gesehen, und erwähnte, dass nicht weit von Barrow Creek 2001 zu einem Vorfall kam, der diesen Film mitinspirierte. Ich weiß schon, warum ich den nicht gesehen habe.

Zwei Stunden später hatten wir in undurchdringlicher Dunkelheit und auf ebenso undurchdringlichem Boden unsere Zelte errichtet, und beschlossen auf ein Bier in der Bar einzukehren (so schlimm konnte es doch nicht sein). Mit dem, was jetzt kam, hatte keiner von uns gerechnet.

Der Wirt, seine Frau und ein Trucker saßen auf der Veranda und sahen sich auf einem tragbaren DVD-Player Die Hard 4 an. Mit „Grab a seat and sit down.“ waren wir eingeladen. So nahmen wir mitten in der Ödnis an einen Filmeabend mit Outbackbewohnern und Truckern teil, von denen sich zum Glück keiner als Axtmörder herausstellten. Nach Die Hard kramte der Wirt in seiner DVD-Sammlung, so dass wir auch noch in den Genuss von Hitman kamen. Nur Wolf Creek hatte er nicht da.

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Alice, Alice, who the fuck is…

Alice Springs. Eine Kleinstadt im Nirgendwo, durchkreuzt vom Todd River, der nur alle paar Jahre Wasser führt. In Ermangelung eines konkreten Wortes für ein solches Landschaftsmerkmal (auf den Karten stand nur „Todd River, usually dry“) erfand Liana die Wortschöpfung Dryver [dɹɪvə]. Eine passende Lösung, die sicherlich in absehbarer Zeit in ganz Australien verbreitet sein wird und die ganzen usually dry „Rivers“ und „Creeks“ ablösen wird.

In „The Alice“ fanden wir Unterkunft in einem YHA-Hostel, wo wir endlich auch Betten, aber auch jede Menge Backpacker vorfanden. Nach der Abgeschiedenheit der Campingplätze und nur vereinzelten Zusammentreffen mit Australiern waren wir die zahlreichen deutschen Postabiturienten, die sich in den Hostels Australiens rumtreiben nicht mehr gewohnt. Aber egal, Hauptsache Matratzen, die man nicht jeden Abend aufblasen musste und nicht mehr täglich um sieben Uhr morgens aufwachen, weil die Sonne das Zelt gnadenlos aufheizt.

Nach zwei Tagen Relaxen (und einem kurzen Besuch bei den Royal Flying Doctors), waren wir dabei unsere lange staubige Wüstenreise fortzusetzen. Als wir bemerkten, dass ruchlose Schurken den Ford Falcon aufgebrochen hatten.

Der Millenium, äh, Quatsch, der Harrison, nee, der Ford Falcon

Der Millenium, äh, Quatsch, der Harrison, nee, der Ford Falcon

Das kleine Seitenfenster hinten links war zerschmettert und das Gefährt durchwühlt worden. Ein kurzer Moment der Panik. Was war im Auto? Hatte ich vorher meine Habseligkeiten ins Hostel geholt? Kurze Checkliste: Waren meine Wanderschuhe noch da? Ja. Meine Postkarten? Ja. Lianas und Helges CDs (welcher Dieb konnte schon einer umfangreichen Ärzte-Kompilation widerstehen)? Ja. Hmm, was war noch im Auto gewesen? Mein Lonely Planet, meine Backpackerbibel! Aber da lag er noch. Nur … was waren das für Flecken? Hatten die Einbrecher eine kleine Kaffeepause gemacht und versehentlich etwas davon über meinen Lonely Planet verschüttet? Litten sie an chronischem Nasenbluten? Oder an flüssigem Stuhl? Vorsichtig schnüffelte ich am Einband. Kein spezifischer Geruch. Sollte ich CSI Alice Springs um einen DNS-Abgleich bitten? Aber das erschien uns wie eine überflüssige Maßnahme. Schließlich war nichts abhanden gekommen.

Ein flüchtendes Känguruh

Verdächtiger Nummer 1: Ein flüchtendes Känguruh

Mit einem milden Fluch auf den Lippen verließen wir „The Alice“ – um von einem warmen Wüstenregen überrascht zu werden. Mit einem zerschmetterten Autofenster. Nachdem wir seit zwei Wochen keinen Regen mehr erlebt hatten. Schlechtes Karma? Wer weiß. Aber der Regen war schnell vobei (und noch schneller getrocknet). Jetzt ging es erstmal Richtung Darwin, zur Stadt der tätowierten Kühlschrankbewohner.

Ein lauerndes Känguruh

Verdächtiger Nummer 2: Ein lauerndes Känguruh

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Neues vom Andersrum-Land

Eigentlich wollte ich diesen Blog nur benutzen, um Werbung für meine großartigen Kurzgeschichten und von mir verfassten Rollenspielkram zu machen. Aber besondere Umstände verlangen nun einmal nach besonderen Maßnahmen und jetzt bin auch ich ein Privatblogger – über meine Reisen durch Down Under, dem Andersrum-Land (wegen Kopf nach unten und so…).
Ich bin jetzt seit zwei Tagen in Sydney (siehe meine neue Kopfzeile), habe allerdings auch noch nicht viel gesehen. In meinem verzweifelten Versuch, den Jetlag abzuwehren, bin ich ein wenig in zombiehafter Trance durch die Innenstadt gewankt und habe den Hafen gesehen und das Marinemuseum besucht (ein sehr verzweifelter Versuch mich vom Einschlafen abzuhalten).

Mein erster Eindruck: Sydney ist voll mit hektischen – aber sehr höflichen – Menschen. Mein Hostel (Billabong Gardens) ist angemessen, aber verirre mich andauernd auf der Suche nach ihm. Vielleicht ziehe ich demnächst um.

Zum Abschluss ein pittoreskes Bild von einem U-Bahn-Schild mit Möwen. Das scheint hier nicht ungewöhnlich zu sein, ich musste in einem Cafe Tauben von meinem Tisch scheuchen.

Möwen, sitzend auf einem U-Bahn-Schild

Möwen, sitzend auf einem U-Bahn-Schild

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